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Phasen eines Burnout

Wenn (fast) nichts mehr geht.

Obwohl du dich als ehrgeizig und leistungsstark kanntest, geht dir zunehmend deine Energie aus. Du vermutest, dass es vielleicht ein “Burnout” sein könnte - und doch wird der Begriff immer mehr zum Trend, weshalb du dich da nicht festlegen möchtest. Du fragst dich, was nun eigentlich genau hinter diesen Erschöpfungszuständen verbirgt? Lass uns den Begriff näher betrachten.

Definition eines Burnouts

 

Viele Menschen benutzen den Begriff “Burnout”. Was steckt jedoch genau dahinter?

 

Die Wortherkunft - das englische Verb to burn out - lässt auf ein Gefühl des Ausbrennens und des Ausgebranntseins schließen. In den 70er Jahren beschrieb der deutsch-amerikanische Psychotherapeut Herbert Freudenberger seine Erfahrung des Ausgebranntseins, wodurch der Begriff Burnout geprägt wurde. Dieser fasst verschiedene Erschöpfungsmerkmale zusammen, welche sich an vielen Stellen mit Beschwerden einer Depression überschneiden, wie z.B. starke Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und verringerte Leistungsfähigkeit.

In der 11. Version des ICD (International Classification of Diseases) der Weltgesundheits-Organisation (WHO 2024) wird Burnout als Faktor beschrieben, der die Gesundheit beeinflusst. (ICD-11: QD85) Definiert wird Burnout im ICD-11 als ein Syndrom, welches sich auf chronischen Stress im beruflichen Umfeld zurückführen lässt, welcher nicht erfolgreich gehandhabt werden konnte. Die reine Einschränkung auf den beruflichen Kontext ist umstritten, da die Frage offen bleibt, was als Arbeit zählt - auch Care-Arbeit ist schließlich Arbeit, auch, wenn sie häufig unbezahlt stattfindet. Der leitende Oberarzt des Klinikum Schloss Lütgenhof (Akutklinik für Personale Medizin, Medizinische Diagnostik und Behandlung bei Stressfolgeerkrankungen) schreibt außerdem: 
 

„Die berufliche Dimension [...] ist sicher in unserer Zeit eine der wesentlichen Faktoren, die Stress verursachen bzw. Stress mit sich bringen und in der sich ein Individuum behaupten muss. Aber ich würde sagen, dass wir auch die anderen beiden Lebensaufgaben, also den Bereich der Liebe im weitesten Sinne von Beziehungen und auch der Gesellschaft ins Auge fassen müssen, wenn wir von solchen Erschöpfungszuständen sprechen.“ (Klinikum Schloss Lütgenhof 2023)

Auch Publikationen wie „Bindung ohne Burnout“ von Nora Imlau (2024: Beltz Verlag) oder die die Entwicklung einer Mess-Methode eines „Parental Burnout Assessment“ durch die belgische Psychologin Dr. Isabelle Roskam (Roskam 2022) unterstreichen diese Sichtweise.

Anzeichen für ein Burnout - die 12 Phasen nach Freudenberger und North

Laut der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen deuten vor allem drei Beschwerden auf ein Burnout hin: Erschöpfung, Entfremdung von der beruflichen Tätigkeit und verringerte Leistungsfähigkeit. Freudenberger und North (1992) beschrieben 12 Phasen eines Burnout-Zyklus, welche von Ehrgeiz und einem hohen Anspruch an sich selbst eingeleitet werden können:

 

1. Verbissenheit und Zwang, sich zu beweisen

2. Gesteigerter Einsatz, um eigenen Anforderungen zu genügen

3. Eigene Bedürfnisse kommen zu kurz

4. Bewusstsein dafür kommt, wird jedoch verdrängt

5. Für nichtberufliche Bedürfnisse kann keine Zeit mehr aufgebracht werden

6. Verleugnung von Überarbeitung, Intoleranz, sinkende Flexibilität

7. Gefühl der Orientierungslosigkeit

8. Emotionaler Rückzug vom Arbeitsgeschehen, Abwehrhaltung gegenüber Kritik

9. Wahrnehmungsverlust der eigenen Person, frühere Bedürfnisse werden nicht mehr erkannt

10. Gefühl der Nutzlosigkeit, Ängste, Suchtverhalten

11. Gefühl von Sinnlosigkeit und Desinteresse, Initiative und Motivation bei Nullpunkt

12. Totale Erschöpfung.

Die 7 Phasen nach Matthias Burisch 

Der deutsche Psychologe Matthias Burisch entwickelte ein 7-Phasen-Modell:

 

1. Überfordernder Energieeinsatz

2. Frustration und sozialer Rückzug

3. Resignation und Schuldzuweisungen

4. Kognitiver Leistungsabbau

5. Desinteresse und soziale Isolation

6. Psychosomatische Reaktionen

7. Existenzielle Verzweiflung

Mehr zu möglichen Burnout-Symptomen findest du hier.

Burnout oder Depression?

"Gefühle der starken Überlastung, geringes Selbstwertgefühl und Hoffnungslosigkeit plagen mich - leide ich nun an einer Depression oder einem Burnout?" Beschwerden von Burnout und Depression überschneiden sich an vielen Stellen. Im 12-Phasen-Modell nach Freudenberger und North wird bereits die elfte Phase einer schweren Depression gleichgesetzt, im 7-Phasen-Modell nach Burisch kann man spätestens bei der siebten Phase eine Depression feststellen. Somit kann also festgehalten werden, dass eine Burnout-Entwicklung ein möglicher Weg in eine Depression ist. Häufig fällt der Begriff "Burnout" schneller, als der Begriff "Depression", da zweiterer gesellschaftlich immer noch häufig verpönt ist. 

Um dem entgegenzuwirken, sprechen immer mehr bekannte Persönlichkeiten über ihre mentale Gesundheit. Nora Tschirner erzählt beispielsweise in diesem Interview zum Thema “Mental Health” über depressive Episoden in ihrem Leben:

Menschen in Erschöpfungsphasen wird mancherorts zu einem Urlaub geraten, was jedoch im Falle einer Depression schwerwiegende Folgen haben kann: Das Zurechtfinden und der Stress in einer neuen Umgebung wirkt in manchen Fällen alles andere als erholsam. Umso wichtiger ist eine professioneller Unterstützung durch Psychotherapie, um zu erkennen, welche Interventionen erforderlich sind.

Professionelle therapeutische Unterstützung bei einer Depression kann durch Ärzt:innen vermittelt und durch Gesundheitskassen unterstützt werden. Wenn du nach einem Therapieplatz suchen möchtest, ist in Deutschland die Kassenärztliche Vereinigung deines Bundeslands (Beispiel für Berlin) eine wichtige Anlaufstelle. Hier erhältst du einen Überblick zu allen Therapeut:innen vor Ort.

Mögliche Ursachen eines Burnouts

Erschöpfungszustände und Burnout können verschiedenste Ursachen haben. Meist handelt es sich nicht um einen bestimmten Faktor, sondern die Kombination von über Jahre antrainierte Verhaltensweisen, persönlichen Ansprüchen und unserem Umfeld bzw. dem System, in welchem wir arbeiten.

Was Erschöpfungszustände begünstigen kann:

  • ausgehend von der Umgebung: Zeitdruck, fehlende Erfolgskriterien, unrealistische Rollenbilder, schlechtes Organisationsklima, zu viele verschiedene Erwartungen, zu wenig Unterstützung bei Mental Load und Aufgabenverteilung.

  • ausgehend von einem Selbst: hohe Ansprüche an sich selbst, Perfektionismus, Überengagement, Eindruck eines fehlenden Handlungsspielraums, Multitasking, fehlendes Handwerkszeug zur Abgrenzung - all dies kannst du in einem waldzeit Coaching verbessern.

 

Eine ganzheitlich gesundheitsfördernde Lebensgestaltung kann Erschöpfungszuständen vorbeugen. Bei ersten Burnout-Symptomen sollte die Situation jedoch immer individuell beleuchtet werden, um zu sehen, wo die Person steht und welche Unterstützung sie braucht. 

Dein Job nach einem Burnout

Wie kann es nach einem Burnout, einer Depression oder Erschöpfungszuständen weitergehen? Um nicht wieder in bisherige Muster zu verfallen, brauchen wir neue Routinen: eine ganzheitlich andere Lebensgestaltung, die ein Umdenken in vielen Aspekten bedeutet. Wichtig ist, sich selbst immer wieder daran zu erinnern, dass eine Genesung Zeit braucht. Oft mehr, als uns lieb ist. Hier gibt's mehr Informationen zu einem Wiedereinstieg in die Berufswelt.

Slowly, slowly.

zu sehen ist Kerstin Schachinger von waldzeit Coaching

Mag. Kerstin Schachinger

Psychosoziale Beraterin, zertifizierte Coachin

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Belastung und Stress?

Zeit für Entlastung.

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