Sabbatical - deine Auszeit vom Job
Eine Freistellung vom Job für mehr als ein paar Wochen ist für viele unvorstellbar. Das an amerikanischen Universitäten geborene Konzept eines “Sabbatical” wird jedoch auch in Europa seit einigen Jahren immer beliebter. Was können wir uns unter so einem Sabbatjahr vorstellen und wie könnte es umgesetzt werden?
Stress im Alltag und im Beruf hinterlässt seine Spuren. Durch Einschalten eines Autopiloten fällt es oft zunehmend schwerer, sich zwischen Verantwortungen, Karriereplanung und To-Do-Listen nicht selbst zu verlieren. Das kann dazu führen, dass wir uns in unserer eigenen Haut nicht mehr wohl fühlen. Es kann sogar schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen haben.
Eine berufliche Auszeit – auch Sabbatical genannt – kann helfen, dem vorzubeugen. Doch was können wir uns unter so einer Auszeit vorstellen? Wie lange dauert so etwas üblicherweise? Wie ist es umsetzbar? Diesen Fragen widmet sich dieser Artikel.
Was ist ein Sabbatical oder Sabbatjahr?
Unter einem Sabbatical (englisch ausgesprochen) oder Sabbatjahr versteht man eine Auszeit, meistens vom Beruf. Der Begriff kommt vom Hebräischen schabat, was so viel wie ‚aufhören‘ oder ‚ruhen‘ bedeutet. Das Sabbatjahr stammt aus der Tora und wurde in den USA vor allem von Professor:innen als Synonym für ein Freisemester verwendet. Mittlerweile wird der Begriff für eine Auszeit abseits des universitären Kontexts verwendet: Wir sprechen von einer Auszeit im beruflichen Lebenslauf.
Welche Gründe gibt es für ein Sabbatical?
Gründe, sich durch ein Sabbatical eine Auszeit zu gönnen, sind persönlich und individuell. Oft ist es ein Mittel, um sich eine Verschnaufpause von einem stressigen Berufs- und Alltagsleben mit vielen Verantwortlichkeiten zu verschaffen. Sobald wir in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, bleibt uns wenig Freizeit: gerade einmal zwanzig Urlaubstage stehen Arbeitnehmer:innen mit einer 5-Tagewoche im Jahr in Deutschland gesetzlich zu. US-Amerikaner:innen haben oft nur einen Anspruch von zehn Tagen oder weniger. Ein Sabbatical dauert üblicherweise zwischen drei und zwölf Monaten und ist – vereinfacht gesagt – ein sehr langer Urlaub mit einem bestimmten Zweck: Sich eine berufliche Pause zu gönnen.
Auch ein Wunsch nach persönlicher Orientierung und Weiterentwicklung (abseits von beruflicher Weiterbildung, wie sie beispielsweise in der österreichischen Bildungskarenz gefördert wird) steht ebenfalls ganz weit oben auf der Liste. Personen, die zwischen Jobs oder vor einem neuen Lebensabschnitt stehen, verspüren oft das Bedürfnis, sich neu zu orientieren. Sie nutzen ein Sabbatical als Möglichkeit für „Soul Searching“:
Was ist mir wichtig in meinem Leben?
Was möchte ich mit meinem Leben anfangen?
Wie möchte ich meine Zeit verbringen?
Zeit mit sich selbst zu verbringen, ohne die Einflüsse des stressigen Beruf-Alltags, kann das Finden von Antworten auf so wichtige Fragen unterstützten und das Finden von Antworten stark beschleunigen.
Nicht zuletzt kann ein Sabbatical auch schlichtweg eine Möglichkeit sein, Dinge zu erledigen, für die wir ansonsten im beschäftigten Berufsalltag nur schwierig Zeit finden - sei es mehr Familienzeit, mehr Reisemöglichkeiten oder mehr Zeit für unsere Hobbys. Auf diese Weise widmen wir uns dem, was uns im Leben wichtig ist.
Was kannst du während eines Sabbaticals machen?
Auch, wenn vielleicht manche anderer Meinung sein mögen: Sabbatical bedeutet nicht "Nichts tun". Persönliche Weiterentwicklung soll nicht hintenangestellt werden, nur weil es auf den ersten Blick nicht zum Brutto-Sozialprodukt beiträgt (bereits auf den zweiten Blick ist dies nämlich oft sehr stark der Fall). Viele von uns sind jedoch nicht mehr daran gewöhnt, mehrere Monate keine To-Do-Liste zu haben, und stehen ratlos vor der Fülle an Möglichkeiten, die die neu gewonnene Freizeit eröffnet.
Was also tun während eines Sabbaticals?
Eine häufig gewählte Option ist das Reisen. Frei von allem, was wir nicht an unserem Körper und im Rucksack mit uns herumtragen können, werden oft ferne Reiseziele angepeilt, wie Asien oder Lateinamerika. Oft entdecken wir dabei spannende Kulturen und neue Sprachen, die wir nicht sprechen. Auch der Jakobsweg als klassischer Pilgerweg wird von vielen gewählt. Dieses auf Sich-Alleine-Gestellt-Sein eröffnet uns viele Möglichkeiten, neue Skills zu entdecken und zu entwickeln und im Zwiegespräch mit uns selbst eine neue Verbindung zwischen Geist und Körper zu finden.
Doch auch das Ausleben der Freizeit kann eine Möglichkeit darstellen, das Sabbatjahr zu verbringen. Das Life, das in der Work-Life-Dualität hintenangestellt wurde, wird jetzt zur Priorität und Work (gemeint als klassische Erwerbsarbeit) aus dem Wortschatz verbannt. Vielleicht muss das Haus fertiggestellt werden oder der Garten bekommt ein Make-Over oder wir verbringen mehr Zeit mit unseren Kindern. Die Möglichkeiten sind endlos – worauf hättest du Lust?
Wie sind Sabbatical und Beruf vereinbar?
Viele, die überlegen, ein solches Sabbatjahr zu machen, sind aufgrund der fraglichen Vereinbarkeit mit ihrem Beruf verunsichert. Eine berufliche Auszeit soll möglich sein, denn sie kann stressbedingten gesundheitlichen Herausforderungen wie Burnout vorbeugen. Sie bringt andere Perspektiven, ein frisches Paar Augen bei der Rückkehr zum Job und steigert bestenfalls die Motivation für das eigene Schaffen. Eine persönliche Weiterentwicklung kann zudem wiederum die berufliche Weiterentwicklung fördern.
Vielfach ist es möglich, mit den Arbeitgeber:innen ein Sabbatical zu vereinbaren. Manmchmal können auch "einfach" Überstunden abgebaut werden. Hier gibt es verschiedene Modelle, die sich jedoch von Firma zu Firma unterscheiden. Deshalb erfolgt eine Vereinbarung jeweils individuell.
“Was aber passiert mit meinem Lebenslauf, wenn ich derzeit nicht in einem bestimmten Job bin?” Eine „Lücke“ im Lebenslauf, die der persönlichen Weiterentwicklung diente, ist kein Grund, sich zu schämen. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und eine genaue Vorstellung davon zu haben, was man (beruflich) möchte, kann einen sehr guten Eindruck bei neuen Arbeitgeber:innen hinterlassen. Deshalb: Mut zur Lücke! Auch im Lebenslauf.
Alternativen zum Sabbatical
„Was kann ich tun, wenn ich kein Sabbatical machen kann? Ich habe kleine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, für die ich sorgen muss, daher kann ich nicht reisen oder gar ein ganzes Jahr fernbleiben.“
Solche Vorbehalte sind natürlich verständlich, nicht jede:r hat den Luxus, über längere Zeit alleine auf Reisen zu gehen. Doch bei einem Sabbatical kommt es schließlich nicht darauf an, in möglichst viele Länder zu reisen, oder möglichst viele Aktivitäten abzuhaken: Ein Sabbatical ist auch zu Hause möglich. Auch hier können wir uns Zeit für all das nehmen, was ansonsten oft hintenangestellt wurde: sei es der Garten, unsere Bücher, unsere Familie und Freund:innen, wir selbst.
Viele Sabbatical-Nehmende sind Suchende. Der Austausch mit Gleichgesinnten auf Backpacking-Touren ist jedoch auch zu Hause möglich: Wie wäre es, neue Menschen in der eigenen Stadt kennenzulernen, die sich in ähnlichen Lebensphasen befinden? Gemeinsamer Austausch kann nicht nur enorm bereichern, so macht das Finden von Antworten und neuer Orientierung doch direkt mehr Spaß.
Auch Programme zur Stressreduktion oder persönlichen Weiterentwicklung können dich bei dieser Neuorientierung unterstützen. Beispiele dafür sind MBSR-Kurse oder Programme zur (beruflichen) Neuorientierung, um deinen Horizont zu erweitern und neue Möglichkeiten für dein Leben kennenzulernen. Im In einem Stärken-Update kannst Du Deine Stärken und Fertigkeiten sichtbar machen, welche Du in neue berufliche Welten mitnehmen kannst. So kannst du dich in deinem Prozess der Neuorientierung professionell begleiten und unterstützen lassen, um noch mehr für dich möglich zu machen.

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